Echsen
Aus Herpetologie
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Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Echsen / Biologische und anatomische Besonderheiten
Die KÖRPERFORM
der Echsen ist langgestreckt und Kopf, Rumpf und Schwanz sind mow. deutlich voneinander abgesetzt. Der Rumpf kann drehrund, flachoval oder hochoval sein. Die Mehrzahl der Echsen hat vier gut entwickelte Extremitäten mit jeweils fünf krallentragenden Zehen. Bei den Arten mit rückgebildeten (z.B. nur ein Paar Vorder- bzw. Hintergliedmaßen vorhanden) oder fehlenden Gliedmaßen (z.B. Blindschleiche) sind zumindest Reste des Schulter- und Beckengürtels vorhanden. Je nach Lebensart sind Beine und Füße lang und schlank oder kurz und plump. Auch die Form des Schwanzes variiert stark: Er kann lang sein (z.B. gleich der Kopf-Rumpf-Länge) und dünn auslaufen, kurz und dick sein (Fettschwanz) oder einen Wickelschwanz wie bei den Chamäleons darstellen. Bei vielen Echsenarten kann der Schwanz an einer vorbestimmten Stelle abbrechen, wächst jedoch wieder nach (Autotomie).
Bemerkenswert sind die Anpassungen der Geckos und Chamäleons: Erstere besitzen an der Unterseite ihrer Zehen Haftlamellen, bei letzteren sind die Füße zu Klammerorganen umgestaltet.
HAUT
Die Hornschicht der Echsenhaut bildet Hornschuppen, die sich dachziegelartig überlagern. Bei einigen Eidechsen liegen unter diesen Hornschuppen Knochenschuppen. Die Hornschuppen können unterschiedliche Gestalt aufweisen und sind systematisch verwertbar. Viele Arten bilden Hautanhänge wie Rückenkämme, Kehllappen und Halskrausen aus. Hautdrüsen beschränken sich bei vielen Arten auf die Femoraldrüsen an der Schenkelinnenseite.
Auch Echsen häuten sich regelmäßig, entweder im Ganzen oder in Fetzen. Viele Arten fressen die abgestoßene Haut auf. Vgl.allgemeiner Teil.
Am KOPF
befinden sich die Augen, Nasenöffnungen und das Trommelfell. Die Augen der Echsen haben meistens zwei normale Augenlider.Vgl. allgemeiner Teil. Die Kopfform ist unterschiedlich. Bei einigen Echsenarten, darunter den Taggeckos, bilden die Sacci endolymphatici des Innenohres sog. Kalksäckchen, deren Vorwölbung außen sichtbar sein kann.
MAUL
Neben der Bezahnung von Ober- und Unterkiefer besitzen manche Echsenarten auch an anderen Stellen, wie z.B. dem Gaumen oder Pflugscharbein Zähne. Die Zunge kann langgestreckt und gespalten aber auch dick und rundlich sein. Eine Besonderheit ist die
Schleuderzunge der Chamäleons.
ATMUNGSORGANE
Echsen besitzen zwei Lungenflügel, von denen der vordere Teil eine deutliche Kammerung zeigt, der hintere von sackartiger Struktur ist. Von der Lunge führen zwei Hauptbronchien zu einer durch Knorpelringe gestützten Luftröhre. Die Luftröhre kann während Atempausen durch einen Deckel verschlossen werden.
VERDAUUNGSTRAKT
Die dehnungsfähige Speiseröhre mündet in den Magen. Am Übergang zum Dünndarm befindet sich ein Pylorus. Der darauffolgende Dickdarm besitzt bei vielen Arten eine blinddarmartige Erweiterung. Bei Pflanzenfressern besitzt das Colon mehrere Mukosafalten. Das Colon verengt sich zum Rektum, welches in die Kloake mündet. Eine Analblase kann vorhanden sein. Leber, Milz, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse befinden sich im Verlauf des Magen-Darm-Traktes.
NIEREN
Die paarigen Nieren liegen retroperitoneal im Beckenbereich. Die caudalen Nierenteile sind miteinander verwachsen.
GESCHLECHTSORGANE und –DIMORPHISMUS
Die Gonaden sind paarig angelegt. Männliche Echsen besitzen ein paariges Kopulationsorgan (Hemipenes) an der Unterseite der Schwanzwurzel. Mehrheitlich werden Eier gelegt; einige Arten sind ovovvipar.
Unterscheidung der Geschlechter anhand äußerer Merkmale gelingt bei vielen Arten.
Beispiele für ♂: größerer breiterer Kopf; größere Kämme, Kehlsäcke, Hauttuberkel; verbreiterte oder auffällig abgesetzte Schwanzwurzel; Hornbildung am Kopf; stärker ausgeprägte Präanal- und Femoralporen; auffälligere Färbung.
SINNESLEISTUNGEN
Sehsinn und Geruchssinn sind gut ausgebildet. Arten, die zur Lautbildung in der Lage sind, verfügen über ein guten Gehörsinn.
[Bearbeiten] Echsen / Verhalten
Bei der Haltung von Echsen ist die Revier- und Rangordnungsbildung unbedingt zu beachten. Unverträglichkeiten einer Art untereinander können so stark sein, dass man verschiedene Arten mit den gleichen Haltungsansprüchen besser vergesellschaften kann als Individuen einer Art. Selbstverständlich spielt hier auch die Geschlechterverteilung eine Rolle. Aber setzt man ein jüngeres Tier zu einem bereits etablierten Terrarieninsassen kann das zu schwerem sozialen Stress für den Neuankömmling führen: er kann nicht zum Sonnenplatz, nicht zum Futterplatz und auch Verletzungen sind nicht auszuschließen.
Auch der mitunter stark ausgeprägte Fluchtreflex, v.a. bei Neuzugängen, darf nicht unterschätzt werden. Ständiges Anstoßen an der Terrarienscheibe führt zu Verletzungen, die das Entstehen bakteriell bedingter Krankheiten begünstigen.
Echsen verfügen über ein großes Repertoire an Verhaltensäußerungen – die Mimik zählt nicht dazu. Aber Demutsgebärden wie das sog. Treteln (schnelle Auf- und Abbewegung der Vorderbeine) oder flaches Hinlegen und Schließen der Augen sind bekannt. Imponier- und Drohgehabe äußert sich u.a. in Farbwechsel, „Größermachen“ durch Aufstellen von Rückenkämmen oder Kehlsäcken, Nick- und Schaukelbewegungen, Aufsperren des Mauls (ev. zum Zeigen einer auffällig gefärbten Maulschleimhaut). Im natürlichen Habitat bleibt es meist bei diesen Kommentkämpfen, weil die Fluchtdistanz nicht unterschritten wird und ein sich unterlegen fühlender Gegner fliehen kann. Die Situation im Terrarium ist aufgrund der räumliche Enge kritisch und Verletzungen oder Todesfälle sind nicht auszuschließen.
[Bearbeiten] Echsen / Ernährung
Das Nahrungsspektrum der Echsen ist sehr unterschiedlich. Neben reinen Vegetariern gibt es solche, die nur Insekten fressen, aber auch räuberische Echsen, die sich von anderen Wirbeltieren ernähren. Pflanzenfressenden Echsenarten, wie z.B. der Grüne Leguan, kann eine breite Palette an Obst und Gemüse angeboten werden. Daneben werden aber auch Mehlwürmer und Heuschrecken angenommen. Ein weiterer Vegetarier ist z.B. der Dornschwanz, der sich auf Löwenzahnblüten spezialisiert hat. Zu den Insektenfressern zählen Geckos und Chamäleons, wobei große Tiere auch nestjunge Mäuse und kleine Echsen nicht verschmähen. Warane fressen großen Insekten sowie Mäuse und Kücken und auch unter den großen Eidechsen finden sich solche, die Mäuse auf dem Speiseplan haben. Fleischfressern kann auch Kalb- bzw. Rindfleisch und Herz angeboten werden. Auf die Dauer ist das aber keine adäquate Nahrung. Sehr zarte oder Jungtiere benötigen oft kleinste Futtertiere, wie Wiesenplankton oder Fruchtfliegen. Chitinisierte Insekten oder deren Larven (wie z.B. Mehlwürmer) können hier schwere Schäden verursachen. Auch bei der Fütterung von Echsen ist auf Kalkgaben und Vitaminisierung zu achten. Futterverweigerung kann verschiedene Ursachen haben; häufig sind es zu niedrige Haltungstemperaturen.
[Bearbeiten] Echsen / Überwinterung
Für Echsen aus gemäßigten oder subtropischen Klimazonen ist eine Überwinterung ratsam. Die Temperaturen liegen im ersten Fall zwischen 4 und 6 °C, in letzterem zwischen 10 und 15 °C. Die Dauer liegt zwischen 2 bis 4 Monaten, kann aber auf 4 bis 8 Wochen verkürzt werden. Echsen schätzen auch in dieser Ruhephase Unterschlupfmöglichkeiten. Vor der Einwinterung wird die Beleuchtungsdauer stetig verkürzt und gleichzeitig die Temperatur gesenkt.
[Bearbeiten] Echsen / Fortpflanzung und Entwicklung
ist artspezifisch unterschiedlich; die meisten Arten sind ovipar. Der Kopulation geht i.a. eine Balz voraus. Der Grüne Leguan und auch Warane z.B. fixieren das Weibchen bei der Begattung durch einen Nackenbiss. Die Eier der Echsen sind mow. weichschalig bis pergamentartig und werden im Boden oder unter Steinen vergraben. Die Eier der Geckos verhärten nach der Eiablage und werden auf festes Substrat geklebt. Auch die Anzahl der Eier schwankt: ein Leguan ♀ legt 30 bis 45, eine Mauereidechse hingegen 2 bis 10 Eier. Die Inkubationszeit ist temperaturabhängig.
[Bearbeiten] Echsen / Kennzeichen ausgewählter Familien
IGUANIDAE (Leguane)
Bewohner unterschiedlicher Biotope (Wüste bis Regenwald) der Neuen Welt. Es gibt unter ihnen Riesen mit bis zu 2 m Länge (Grüner Leguan) und Zwerge mit 20 cm (Rotkehlanolis: Anolis oder Saumfinger haben ähnlich den Geckos Haftlamellen an den Sohlen). Lange Schwänze. Typisch für Leguane sind Kämme, Helme und Kehllappen. Nahrungsspektrum reicht artspezifisch von herbivor über insectivor bis carnivor. Überwiegend ovipar.
AGAMIDAE (Agamen)
Gegenstück zu den Leguanen in der Alten Welt. Bewohnen trockene und feuchte Lebensräume, kommen am Wasser vor und einige Arten sind zum Gleitflug fähig. Dreieckiger Kopf, kurzer Körper, lange Beine und dünner Schwanz. Hautfortsätze (Helme, Stacheln, Hörner, Halskrausen etc.) sind meist vorhanden. Zunge meist dick und fleischig. Nehmen mehrheitlich tierische Nahrung auf. Überwiegend ovipar.
LACERTIDAE (Echte Eidechsen)
Bewohner unterschiedlicher Biotope in Europa, Afrika und Asien. Langer Schwanz und typisches Halsband (Querfalte zwischen Kehl- und Brustschuppen). Bevorzugt Kleintierfresser, aber auch kleine Wirbeltiere und pflanzliche Beikost. Überwiegend ovipar.
GEKKONIDAE (Geckos)
Bewohnen die gemäßigten, subtropischen und tropischen Klimazonen. Meist großer Kopf und große Augen mit verwachsenen Lidern (Ausnahme: Lidgeckos). Je nach Lebensart z.B.Haftzeher mit kleinen Häkchen an den Zehenunterseiten oder Krallenzeher (z.B. Nackfinger-Geckos). Bei manchen Arten Haftorgane auch am Schwanz. Stimmbegabt!
Ernährung überwiegend insectivor aber gelegentlich auch carnivor. Überwiegend ovipar.
Bei den Gattungen Geckolepis und Ailuronyx kann eine sog. Schreckhäutung vorkommen, bei der Teile der gesamte Haut abgestoßen werden. Bis die Haut wieder nachgebildet ist, sind die Tiere vor Flüssigkeits- und Wärmeverlust zu schützen.
CHAMAELEONIDAE (Chamäleons)
Meist Busch- oder Baumbewohner; besiedeln unterschiedliche Lebensräume, auch sehr kalte Gegenden. Beachtliche Größenunterschiede; reichen von 68 cm beim Riesenchamäleon bis zu 3,5 cm bei der kleinsten Art. Typische seitlich abgeflachte Körperform. Kopf mit Helmen, Hörnern und Schnauzenfortsätzen bestückt. Auch Kämme werden ausgebildet. Langer Greifschwanz und Klammerzehen (Verwachsungen von Zehen bis zum Nagelglied). Augenlider ringförmig verwachsen. Zunge als sog. Schleuderzunge ausgebildet; Beutetiere werden durch Muskeltätigkeit festgehalten. Bei Chamäleons ist die Fähigkeit zum Farbwechsel am besten ausgeprägt. Überwiegend ovipar.
SCINCIDAE (Glattechsen)
Echsen mit kleinem Kopf, undeutlich abgesetztem walzenförmigen Körper und glatten glänzenden Schuppen. Kleine oder zurückgebildete Extremitäten. Meist Bodentiere, die im Boden wühlen. Insectivor und herbivor. Nur wenige Arten ovipar.
[Bearbeiten] Echsen / Transport
Kleine Echsen werden in Leinen- oder Jutesäcken und ev. zusätzlich in Styropor- oder Holzkisten transportiert. Bei großen Echsen kann man auf die Säcke verzichten. Säcke haben den Vorteil, dass ein kleines Tier nicht so leicht entkommen kann, da man seinen Kopf schon von außen´fixieren und es so kontrolliert auspacken kann.
[Bearbeiten] Echsen / Gesund und krank
Über Kondition und Ernährungszustand geben Verhalten und Aussehen Auskunft. Eine gesunde Echse ist aufmerksam, bewegungsfreudig und züngelt. Die Haut ist der Art entsprechend und die Muskulatur des Becken, der Schwanzbasis und der Schenkel gut entwickelt.
Welche Anzeichen weisen auf eine Krankheit hin:
Verhalten
• Veränderte Körperhaltung, verminderte Aufmerksamkeit, kein Züngeln, Nahrungsverweigerung
Haut
• Verfärbungen / Blutungen
• Schwellungen
• Zusammenhangstrennungen
• Häutungsreste (Exkremitäten/Schwanz)
• Anzeichen von Austrocknung (starke Faltenbildung)
• Schuppensträube (durch Außenparasiten)
Skelett
• Verformungen
Maul
• Verletzungen
• Schwellungen
• Beläge im Maul
Nasenöffnungen
• Flüssigkeitsabsonderung
Augen
• Ausfluss
• Verklebung der Lider
• Entzündungen
Trommelfell
• Vorwölbungen
