Schildkröten
Aus Herpetologie
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Testudinata | ||||||||||||
| Linnaeus 1758 | ||||||||||||
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Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Schildkröten / Biologische und anatomische Besonderheiten
Der PANZER
besteht aus Rücken- und Bauchpanzer – Carapax und Plastron – die seitlich durch die sog. Brücke verbunden sind. In diesen Panzer können Kopf, Hals, Extremitäten und Schwanz eingezogen werden. Die Mehrzahl der Schildkröten zählt zu den Halsbergern: der Hals wird senkrecht s-förmig im Panzer geborgen. Die Halswender dagegen legen ihren Hals seitlich am Körper an. Der Panzer besteht aus einzelnen Panzerplatten, wobei unter den Hornplatten Knochenplatten liegen. Die Knochenplatten besitzen feine Poren, die Durchtrittsstellen für Nerven und Blutgefäße sind. Die Form und Festigkeit des Panzers variiert artabhängig sehr stark. Landschildkröten (z.B. die Gattungen Testudo, Geochelone) haben einen festen mow. hochgewölbten Panzer, der auf Druck kaum nachgibt. Im Wasser lebende Arten wie Schmuck- und Sumpfschildkröten können einen abgeflachten leicht elastischen Panzer haben und z.B. bei den Weichschildkröten sind die Hornschilde durch eine dicke, glatte Haut ersetzt.
Die einzelnen Panzerschilde haben folgende Bezeichnung:
Bauchpanzer:
Kehlschild (Gulare)
Armschilde (Humorale)
Brustschilde (Pectorale)
Bauchschilde (Abdominale)
Schenkelschilde (Femorale)
Afterschilde (Anale)
Rückenpanzer:
Nackenschild (Nuchale)
Wirbelschilde (Neuralia)
Schwanzschild (Caudale)
Rippenschilde (Costalia)
Randschilde (Marginalia)
Nicht bei allen Schildkröten ist der Panzer ein starres Gebilde. Dosen- und Gelenkschildkröten können Teile des Bauchpanzers nach oben, Scharnierschildkröten Teile des Carapax nach unten klappen, was einen zusätzlichen Schutzmechanismus darstellt. Aber auch Arten der Gattung Testudo können bewegliche Plastronteile aufweisen.
Das SKELETT
besteht aus Wirbelsäule, Schulter- und Beckengürtel sowie den Extremitäten. Teile der Wirbelsäule und die Rippen sind mit dem Carapax verwachsen. Die drei Platten am Vorderende des Plastrons sind modifizierte Deckknochen des Schultergürtels. Bei den Halswendern ist auch der Beckengürtel in das Plastron des Panzers miteinbezogen.
Die EXTREMITÄTEN
sind je nach Lebensweise unterschiedlich ausgebildet. Sie tragen jeweils fünf mit Krallen besetzte Zehen. Eine Ausnahme davon macht z.B. die Vierzehenschildkröte (Agrionemys (Testudo) horsfieldii), deren Vorderextremitäten nur 4 Zehen aufweisen. Die Beine der Landschildkröten sind stämmig und durch die Hornhaut bzw. verschieden Hornbildungen gegen Verletzungen und Austrocknung geschützt. Sie haben kurze feste Krallen. Die Beine der wasserlebenden Arten sind eher abgeflacht und haben mow. gut ausgebildeten Schwimmhäute und längeren schlanken Krallen.
Die HAUT
besteht aus Epidermis und Dermis; die Subcutis (Unterhaut) ist bei Schildkröten meist nur eine dünne Schicht, der das Unterhautfettgewebe fehlt. Wie alle Reptilien häuten sich auch Schildkröten, wobei die alte Haut in Fetzen abgestoßen wird. Die Haut kann verschiedene Hornbildungen hervorbringen, wie Schuppen, Sporne oder Schwanznägel.
Der KOPF
ist bei allen Schildkröten kräftig entwickelt, zeigt jedoch bei einigen Arten eine charakteristische Ausbildung. Am Kopf befinden sich die Augen, die Nasenöffnungen, die bei Weichschildkröten auf einer rüsselförmigen Verlängerung sitzen sowie das Trommelfell als Begrenzung des Mittelohrs. Die Maulöffnung wird durch eine durchgehende obere bzw. untere Hornschneide begrenzt.
ATMUNGSORGANE
Die Lungen befinden sich unter dem Rückenpanzer und liegen den restlichen Innenorganen auf. Ein Zwerchfell fehlt. In Ruhelage sind die Lungen mit Luft gefüllt. Paarige Lungenmuskel ermöglichen die Exspiration (Ausatmung).
GESCHLECHTSDIMORPHISMUS
Am verlässlichsten ist die Schwanzlänge: ♂ haben einen längeren Schwanz und dadurch ist die Kloakenöffnung weiter vom Hinterrand des Bauchpanzers entfernt. Außerdem ist der Schwanzansatz breiter. Der nach innen gewölbte Bauchpanzer der Männchen wird auch immer angegeben; dieses Merkmal ist aber nicht zuverlässig. Die langen Krallen an den Vorderbeinen der Schmuckschildkröten lassen ebenfalls ein Männchen erkennen.
[Bearbeiten] Schildkröten / Ernährung
Da es bei Schildkröten verschiedene Ernährungstypen gibt und die Ernährung altersabhängig unterschiedlich sein kann, ist bei der Zusammensetzung des Speisezettels die Art und das Alter – Jungtier oder Adultus – unbedingt zu berücksichtigen. Es wird hier auf den allgemeinen Teil verwiesen. Es existieren verschiedene Rezepte für Gelatinefutter, das portioniert und eingefroren werden kann. Achtung: Frostfutter muss vor dem Verfüttern aufgetaut werden. Jedes Futter muss Raumtemperatur haben.
Kalk kann in Form von Futterkalk aus der Tierhandlung oder in Form geriebener Eischalen verfüttert werden. Wasserschildkröten, die ganze Fisch fressen, können ihren Kalkbedarf über das Fischskelett decken oder im Terrarium über den Sepiaschulp.
Wenn Schildkröten das angebotene Futter nicht fressen, ist zuerst die Temperatur zu kontrollieren, die Länge der Hornscheiden, ev. Lidschwellungen bei Schmuckschildkröten. Wenn keine haltungsbedingten Gründen oder anatomische (krankhafte) Veränderungen gegen die Nahrungsaufnahme sprechen, muss man solange probieren, bis man das dem Tier zusagende Futter gefunden hat. Nützt das auch nicht, muss der Tierarzt konsultiert werden.
Erwachsene Schildkröten müssen nicht täglich fressen. Der Gefahr einer Überfütterung weicht man am besten durch 2 Fasttage pro Woche aus. Wichtig ist, dass das Futter immer frisch angeboten wird. Nicht verzehrtes Futter wird entfernt.
Von verschiedenen Firmen werden Trockenfuttermittel angeboten. Diese sollten aber nicht ausschließlich verfüttert werden. Frisches Futter ist immer anzubieten.
Wichtig:
• Am Nahrungsangebot im natürlichen Umfeld orientieren
• Altersbedingte Unterschiede beachten
• Zwangsfütterung bedeutet enormen Stress für das Tier; daher nur bei medizinischer Indikation!
• Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen dem artgemäßen Nährstoffbedarf anpassen. Calcium-Phosphor-Verhältnis der Futtermittel beachten.
[Bearbeiten] Schildkröten / Überwinterung
Mit Abnehmen der Tageslänge, Lichtstärke und Temperatur stellen sich Schildkröten auf eine Winterruhe ein; in dieser Zeit ist der Stoffwechsel stark eingeschränkt und Atem- und Herzfrequenz sinken. Ob die Überwinterung bei als Heimtieren gehaltenen Schildkröten unbedingt notwendig ist, ist umstritten. Für die Fortpflanzung ist sie aber sehr wesentlich. Wenn man jedoch keinen geeigneten Überwinterungsplatz hat, der vor allem die nötige Temperatur zwischen 4 und 7 °C aufweist, muss man auf die Winterruhe verzichten, der Schildkröte jedoch die entsprechenden Bedingungen, vor allem geeignete Temperatur und Beleuchtung bieten.
Die Schildkröte zeigt ihre Bereitschaft zur Winterruhe an indem sie die Nahrungsaufnahme einstellt und sich verkriecht. Sollte der Gesundheitszustand des Tieres nicht bekannt sein, ist der Tierarzt zu kontaktieren, der bei diesem Anlass auch eine Entwurmung vornehmen kann. Kranke Tiere dürfen nicht überwintert werden. Meist ist auch bei der Überwinterung juveniler Exemplare Vorsicht geboten. Die Dauer der Winterruhe kann bis zu fünf Monate betragen.
Als Vorbereitung zur Winterruhe werden die Futtergaben reduziert und dann eingestellt, die Terrarientemperatur wird schrittweise abgesenkt und damit der Darm gründlich entleert wird soll die Schildkröte in warmem Wasser gebadet werden. Bei Tieren aus Freilandhaltung, die sich natürlich auf die Winterung vorbereiten können, ist ein Bad nicht angezeigt.
Landschildkröten: Die Überwinterung erfolgt in einem Raum mit geeigneter Temperatur, im allgemeinen 4 bis 7 °C (Tiere gemäßigter oder subtropischer Klimate). Eine Kiste wird mit feuchter Erde gefüllt – das Aufbringen von Tonkügelchen, wie sie in der Hydrokultur Verwendung finden, am Boden der Kiste wird von verschiedenen Fachleuten empfohlen – und darüber eine Laub- oder Strohschicht aufgebracht (Erde:Laub ~ 1:1). Die Kiste ist oben mit einem Maschendrahtdeckel abzudecken, damit die aufwachende Schildkröte nicht entwischen kann oder Mäuse oder Ratten eindringen. Gelegentlich überprüft man vorsichtig, ob die Schildkröte noch schläft.
Schildkröten, die an den Aufenthalt im Freien gewohnt sind, können auch im Freien überwintern, wenn sie die Möglichkeit haben, sich mindestens 80 cm tief in lockerer Erde oder Sand-Laub-Gemischen zu vergraben. Diese Tätigkeit muss jedoch beobachtet werden, um über den vergrabenen Tieren noch eine Laub- oder Reisig-Schicht anhäufen zu können.
Die oftmals propagierte Überwinterung im Kühlschrank kann nur empfohlen werden wenn der Kühlschrank ausschließlich der Schildkröte zur Verfügung steht; sonst sprechen sowohl hygienische Gründe als auch Störungen der Winterruhe durch die Verwendung des Kühlschrankes dagegen.
Wasser- (Schmuck-)schildkröten überwintern in einem Terrarium, dessen Wassertemperatur 4 bis 8°C aufweist. Die Wasserhöhe ist so zu wählen, dass das Tier mit vorgestrecktem Kopf Luft holen kann. Die Wasserqualität ist regelmäßig zu überprüfen; verfärbt sich das Wasser, muss es gewechselt werden. Auch Wasserschildkröten können im Freien überwintern, wenn die Teiche winterfest sind.
Ist die Winterruhe zu Ende müssen die Tiere die für sie optimalen Bedingungen vorfinden. Auch jetzt wird ausgiebig gebadet, langsam die Temperatur angehoben und dann mit der Fütterung begonnen.
Schildkröten, die offensichtlich nicht überwintern wollen, darf man nicht dazu zwingen.
Wichtig:
• Die Winterruhe ist Voraussetzung für die Fortpflanzung im folgenden Jahr
• Kranke oder geschwächte Tiere nicht oder kürzer überwintern
• Für Tiere, die vor der Zeit aufwachen, ist die Winterruhe zu beenden
• Es gibt Arten, die keine Winterruhe einhalten
[Bearbeiten] Schildkröten / Fortpflanzung und Entwicklung
Schildkröten sind getrenntgeschlechtlich, die Männchen meist kleiner als die Weibchen. Sie legen Eier, denen die Hagelschnüre der Vogeleier, an denen der Dotter aufgehängt ist, fehlen. Schildkröteneier dürfen daher nicht gedreht werden, da sonst der Embryo abstirbt.
Die Paarungsvorbereitung der Schildkröten ist durch Rammstöße gegen den Panzer der Weibchen und Bisse in Oberschenkel und Schwanzwurzel gekennzeichnet. Für die Terrarien- aber auch Freilandhaltung bedeutet daher die Gruppenhaltung ein entsprechendes Raumangebot, sodass Weibchen, die nicht paarungsbereits sind, den Männchen erfolgreich ausweichen können. Schildkrötenweibchen können Samen speichern, sodass eine Kopulation (Begattung) für mehrere Reproduktionszyklen ausreicht. Die Kommentkämpfe rivalisierender Männchen zielen darauf ab, den Gegner auf den Rücken zu werfen. Kann sich dieser nicht wieder umdrehen und ist er der prallen Sonne ausgesetzt, kann diese Situation seinen Tod bedeuten.
Die Eier werden im Boden vergraben; Brutpflege ist unüblich. Das bedeutet in der Heimtierhaltung von Schildkröten, dass ein geeignetes Bodensubstrat vorhanden sein muss, das die Eiablage ermöglicht. Die Eianzahl ist ebenso artspezifisch (zwischen 1 und 200 bei Meeresschildkröten) wie die Zeitigungsdauer, die mit 50 bis 250 Tagen angegeben wird.
[Bearbeiten] Schildkröten / Transport
Landschildkröten können problemlos über kurze Strecken z.B. in einer Schachtel befördert werden; bei tiefen Temperaturen u.U. einen Thermophor verwenden. Wasserschildkröten werden nicht im Wasser gefüllten Terrarium transportiert, sondern in einem mit Schaumstoff rundherum ausgepolsterten Behältnis. Solche Behälter eignen sich auch für den Transport von Landschildkröten; der Schaumstoff verhindert ein unkontrolliertes „Herumrutschen“ der Tiere.
[Bearbeiten] Schildkröten / Gesund und krank
Bewertung von Kondition/Bewegung: Eine gesunde Schildkröte hat einen festen Panzer (artabhängig !), hebt bei der Fortbewegung deutlich den Körper vom Boden ab und zeigt Abwehrverhalten: z.B. Einziehen von Kopf und Extremitäten in den Panzer. Gesunde Wasserschildkröten schwimmen m.o.w. „gerade“ im Wasser.
Welche Anzeichen weisen auf eine Krankheit hin:
Verhalten
• Bewegungsstörungen, verminderte Aufmerksamkeit und Schutzreflex
• Verändertes Schwimmverhalten
• Nahrungsverweigerung
Haut
• Zusammenhangstrennungen
• Blasige bis flächenhafte Hautlablösungen
• Schwellungen
• Außenparasiten
• Fliegenmaden
Panzer
• Verformungen
• Frakturen
• Blutungen
• Nekrosen
• Algenbefall
Maul
• Überschnabel
Nasenöffnungen
• Flüssigkeitsabsonderung
Augen
• Verklebung der Lider
• Schwellung
Trommelfell
• Vorwölbungen
