Schlangen
Aus Herpetologie
| Schlangen | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kornnatter (Pantherophis guttata) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Serpentes | ||||||||||||
| Linnaeus, 1758 | ||||||||||||
| Überfamilien | ||||||||||||
|
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Schlangen / Biologische und anatomische Besonderheiten
KÖRPERGESTALT / SKELETT
Der Körper der Schlangen ist langgestreckt und extremitätenlos. Becken und Schultergürtel fehlen. Nur bei den Boidae existieren Becken- und Gliedmaßenreste, die Afterklauen genannt werden. Man unterscheidet Kopf, Rumpf und Schwanz. Der Kopf ist i.a. gut vom Rumpf abgesetzt, seine Form – dreieckig, schlank, abgerundet – meist charakteristisch für eine Familie. Der Schwanz kann je nach Lebensweise lang ausgezogen sein oder stumpf enden. Die Wirbel tragen Rippen (mit Ausnahme der ersten Hals- und der Schwanzwirbel), die frei enden. Die Anzahl der Wirbel ist unterschiedlich - bei Riesenschlangen können 435 Wirbel vorhanden sein – und mit der Anzahl der Bauchschilde korreliert.
Die Bewegung ist entweder ein gerades Gleiten, ein seitliches Schlängeln oder bei Wüstenbewohnern ein Seitenwinden.
HAUT
Besteht aus Epidermis, Dermis und Subcutis. Die Epidermis besteht aus einer äußeren Hornschicht und einer basalen Keimschicht. Verdickungen der Hornschicht führen zur Ausbildung von Hornschuppen, die sich i.a. dachziegelartig überlagern. Die Bauchschuppen reichen über die gesamte untere Körperseite und werden zur Fortbewegung eingesetzt. Die Subcutis (Unterhaut) ist ein Fettspeicher, vor allem während der Trächtigkeit ovoviviparer Schlangen.
Nach der Winterruhe und während des Wachstums muss sich die Schlange häuten. Dabei wird die funktionslos gewordene Hornschicht abgestoßen. Haut und Brille sich häutender Schlangen sind trübe. Bei der Häutung streifen Schlangen ihre Haut vollständig und im Ganzen ab.
Am KOPF
befinden sich die Augen, die von den verwachsenen Lidern bedeckt sind = Brille. Dahinter befindet sich der Brillenraum. Weiteres vgl. allgemeinen Teil.
MAUL
Um beim Fressen große Beutestücke aufnehmen zu können, sind Einzelknochen des Schädels und die beiden Unterkieferäste durch Bänder verbunden. Die Bezahnung ist unterschiedlich; Zähne werden regelmäßig ersetzt. Schlangen ohne Giftzähne werden aglyph genannt.
Giftschlangen gehören entweder zum
• solenoglyphen Typ: hohle Zähne, die beim Biss nach vorne geklappt werden; z.B. Vipern und Grubenottern,
• proteroglyphen Typ: unbewegliche, relativ kurze Giftzähne, die auf der Vorderseite gefurcht sind; z.B. Giftnattern oder
• opisthoglyphen Typ: gefurchte Giftzähne im hinteren Teil des Oberkiefers; z.B. Trugnattern
Giftdrüsen sind umgewandelte Speicheldrüsen, deren Sekret nicht nur das Beutetier töten kann, sondern auch durch eiweißspaltende Enzyme die Verdauung einleitet. Der Giftbiss wird auch zur Verteidigung eingesetzt. Vipern z.B. lassen meist nach dem Biss schnell wieder los; das verendete Beutetier muss dann von ihnen gesucht werden. Manchen Schlangenarten, wie z.B. die Speikobras, verspritzen ihr Gift. Die Schlangenzunge ist gespalten; sie kann auch bei geschlossenem Maul nach außen gestreckt werden.
Wichtig:
• Giftschlangen ebenso wie die giftigen Echsenarten Heloderma horridum und H. suspectum gehören nicht in die Hand von Laien bzw. Privatpersonen. Daher besteht auch keine Notwendigkeit sie im Zoofachhandel anzubieten.
• Bezüglich der Haltung gefährlicher Wildtiere sind unbedingt die einschlägigen Rechtsvorschriften zu beachten; in Wien z.B. das Wiener Tierhaltegesetz
ATMUNGSORGANE
Bei den meisten Schlangen ist der linke Lungenflügel reduziert bzw. fehlt. Riesenschlangen besitzen beide Lungenflügel, aber auch bei ihnen ist der linke kleiner. Der vordere Teil der Lunge dient dem Gasaustausch, der hintere, dünnwandige Teil als Speicherorgan (Luftreservoir während des Schlingaktes).
VERDAUUNGSTRAKT
Auf den Ösophagus folgt der sehr dehnungsfähige Magen, dessen Schleimhaut in Längsfalten liegt. Auf den Dünndarm folgt der kurze Dickdarm. Boidae besitzen an der Einmündungsstelle zum Dickdarm einen kurzen Blinddarm. Pankreas und Gallenblase münden gemeinsam im Dünndarm ein. Der letzte Darmteil wird als Kloake bezeichnet, da er auch die beiden Harnleiter sowie die Ei- und Samenleiter aufnimmt.
Die NIEREN
sind langgestreckt, abgeflacht und gelappt.
GESCHLECHTSORGANE
Eine Geschlechtsbestimmung mit Hilfe äußerer Merkmale kann bei manchen Schlangen vorgenommen werden. Ansonsten kann eine Knopfsonde in die hinter der Kloakenöffnung gelegenen Hemipenistaschen eingeführt werden: diese sind beim Weibchen viel kürzer; sie reichen höchstens bis zum dritten Subcaudalschild. Die Geschlechtsorgane sind paarig angelegt. Schlangen sind entweder ovipar oder ovovivipar.
SINNESLEISTUNGEN
Schlangen sehen und riechen sehr gut, wobei für die Geruchsleistung das Jacobson’sche Organ wichtiger ist als die Sinneszellen der Nase. Das Hörvermögen ist v.a. als Wahrnehmung von Erschütterungen zu werten.
Zähne
Die Zähne der Schlangen sind nicht zum Kauen bestimmt, sondern dienen nur dem Festhalten der Beute oder, im Falle von Giftzähnen, der Injektion von Toxinen. Sie sitzen nur lose auf dem Kiefer auf und sind nicht fest mit ihm verwachsen. Alle Zähne sind nach hinten gerichtet; versucht ein Beutetier, sich aus dem Biss der Schlange zu befreien, bohren sich die Zähne nur noch tiefer in seinen Körper. Bricht ein Zahn ab, so wird er ersetzt. Meist sind schon Reservezähne hinter den bestehenden angelegt, so dass der Ersatz in relativ kurzer Zeit zur Verfügung steht. Bei Schlangen findet man vier unterschiedliche Typen der Bezahnung [1]:
- aglyph: derart bezahnte Schlangen besitzen keine Giftzähne. Alle Zähne sind etwa gleich groß, haben die gleiche Form und sitzen gleichmäßig im Kiefer verteilt. Es gibt keine Besonderheiten der Zähne wie bei den anderen drei Bezahnungstypen. Zu diesen ungiftigen Schlangen gehören die Eigentlichen Nattern (Colubrinae), Riesenschlangen (Boidae), Blindschlangen (Typhlopidae) und Schlankblindschlangen (Leptotyphlopidae).
- proteroglyph: bei dieser Art der Bezahnung besitzen Schlangen ein Paar Giftzähne, welches im vorderen Bereich des Oberkiefers liegt. Die Giftzähne sind etwas größer und dicker als die restlichen und weisen eine Furche an ihrer Innenseite auf (Furchenzähne). Oberhalb liegen im Bindegewebe die Giftdrüsen; beißt die Schlange zu, wird das Gift mittels der Furche in den Körper des Beutetieres geleitet. Vertreter der Seeschlangen (Hydrophiinae) und Giftnattern (Elapidae) sind proteroglyph bezahnt; hierzu gehören auch die Schlangen mit den stärksten Giften, wie beispielsweise die Taipane.
- opistoglyph: die Struktur der Giftzähne ist vergleichbar mit der Variante proteroglyph, im Gegensatz hierzu sitzt das Giftzahnpaar aber im hinteren Bereich des Oberkiefers. So bezahnt sind die Trugnattern (Colubridae).
- solenoglyph: auch bei dieser Bezahnung sitzt ein Giftzahnpaar vorne im Oberkiefer. Allerdings sind die Giftzähne relativ lang (je nach Art zwischen drei und fünf Zentimetern) und liegen daher bei geschlossenem Maul nach hinten eingeklappt in einer Bindegewebsfalte. Die Zähne sind nicht gefurcht, sondern ihr Inneres ist – ähnlich einer Kanüle – von einer Röhre durchzogen, durch die das Gift geleitet wird (Röhrenzähne). Sobald die Schlange ihr Maul zum Biss öffnet, klappen die Giftzähne um etwa 90° nach vorn und können so tief in das Beutetier geschlagen werden. Ein großer Vorteil liegt darin, dass so auch das Gift tief in den Körper eingebracht wird; rein mechanisch betrachtet ist die solenoglyphe Bezahnung für die Injektion am effektivsten. Alle Vipern (Viperidae) und Grubenottern (Crotalinae) sind mit solchen Röhrenzähnen ausgestattet.
[Bearbeiten] Schlangen / Ernährung
Schlangen sind, mit wenigen Ausnahmen, Fleischfresser. Da Schlangen in Freiheit an Lebendfutter gewöhnt sind, kann die Umstellung auf getötete Tiere einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine gut genährte Schlange verhungert nicht so bald. Ausgewachsene Tiere kommen mit einer zweiwöchigen Futtergabe aus; große Riesenschlangen z.B. füttert man nur alle 4 bis 5 Wochen. Während der Häutung und Trächtigkeit nehmen Schlangen kein Futter an. Futterverweigerung kann auch mit zu niedrigen Temperaturen zusammenhängen, aber auch krankheitsbedingt auftreten.
Wichtig:
• Verschmähte Futtertiere dürfen nicht in ein anderes Terrarium versetzt werden.
• Ratten und Mäuse sind, wenn sie nicht gefressen werden, aus dem Terrarium zu entfernen. Vor allem bei kranken und schwachen Schlangen besteht sonst Gefahr, von den Futtertieren angenagt und erheblich verletzt zu werden.
[Bearbeiten] Schlangen / Überwinterung
Schlangen, deren Herkunftsgebiet ausgeprägte Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter aufweisen, sind an eine mehrmonatige Winterruhe gewöhnt. Dauer der Winterruhe und Temperatur hängen von der Schlangenart ab. Trutnau (1981) empfiehlt z.B. für Europäische, Nordamerikanische und Zentralasiatische Schlangen eine Überwinterungsdauer von 4 bis 5 Monaten bei 2 bis 15°C, bei Schlangen aus dem Mittelmeerraum oder Nordafrika hingegen eine 3 bis 4 monatige Winterruhe bei 10 bis 15°C. Auf weitgehend konstante Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse ist zu achten.
[Bearbeiten] Schlangen / Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung beginnt mit dem Erkennen des Geschlechtspartners und der Balz. Bei Schlangen spielen vor allem Geruchswahrnehmung (olfaktorisch) und Berührungsreize (taktil) eine große Rolle. Viele Schlangenarten verlassen nach der Eiablage den Brutplatz, manche rollen sich über dem Gelege zusammen und nur bei Pythons wurde ein echtes Brüten mit Temperaturerhöhung festgestellt. Trächtige Schlangenweibchen zeigen untypisches Verhalten wie z.B. Nahrungsverweigerung. Die Zahl der Eier ist sehr unterschiedlich zwischen 10 und 100. Die Eischale ist mit Poren versehen. Auch die Inkubationszeit ist unterschiedlich: sie beträgt z.B. bei der Vierstreifennatter 56 bis 60 Tage, beim Felsenpython bis zu 106 Tage.
[Bearbeiten] Schlangen / Kennzeichen ausgewählter Familien
BOIDAE (Riesenschlangen)
sind die bekanntesten Würgeschlangen. Nicht alle sind „Riesen“; die Größe variiert artspezifisch von >1 m (Sandboas) bis >5 m (z.B. Anakonda, Netzpython, Abgottschlange).
Sie werden oft als altertümliche oder primitive Schlangen bezeichnet, da paarige Afterklauen als Gliedmaßenreste vorhanden sind. Sie besitzen auch noch paarige Lungen; die linke ist allerdings wesentlich kleiner als die rechte.
Unterfamilie Pythoninae
Kennzeichen: bezahnter Zwischenkiefer, paarige Unterschwanzschilde, ovipar.
Vorkommen: Afrika, Asien, Australien
Gattungen: z.B. Python (Pythons), Chondropython (Baumpythons), Liasis (Australische Felsenpythons).
Unterfamilie Boinae
Kennzeichen: unbezahnte Zwischenkiefer, unpaare Unterschwanzschilde, ovovivipar.
Vorkommen: größtenteils in der Neuen Welt
Gattungen: z.B. Boa (Abgottschlangen), Eunectes (Anakondas), Corallus (Hundskopfboas), Epicrates (Schlankboas).
Daneben existieren noch 2 weitere Unterfamilien.
COLUBRIDAE (Nattern) mit mehreren Unterfamilien
Mit Ausnahme der Unterfamilie Boiginae (Trugnattern: z.B. Eidechsennatter (Malpolon), Nachtbaumnattern (Boiga), Boomslang (Dispholidus)) ungiftig. Zu dieser Familie zählen z.B. Wassernattern der Gattung Natrix und Thamnophis (Strumpfbandnattern); Land- und Baumnattern der Gattung Coronella (Glattnattern), Coluber (Zornnattern), Elaphe (Kletternattern) und Eierschlangen.
Giftschlangen sind aus bereits erwähnten Gründen nicht Thema dieses Skriptums. Trotzdem sollen beispielhaft einige Arten angeführt werden. ELAPIDAE (Giftnattern; diverse Unterfamilien): Kraits (Bungarus), Mambas (Dendroaspis), Echte Kobras (Naja), Königskobra (Ophiophagus hannah; wird bis zu 5 m lang). VIPERIDAE (Vipern) Unterfamilie Viperinae: Puffottern (Bitis), Hornvipern (Cerastes), Echte Vipern (Vipera). Unterfamilie Crotalinae (Grubenottern): Klapperschlangen (Crotalus), Buschmeister (Lachesis; wird bis zu 4 m lang), Lanzenottern (Bothrops, Trimeresurus).
[Bearbeiten] Schlangen / Transport
Schlangen werden einzeln in Leinensäcken oder Kissenüberzügen, große Schlangen in Jutesäcken transportiert. Die Säcke werden erst umgebogen und dann verschnürt, um ein Entweichen der Schlangen zu verhindern. Gegebenenfalls werden die so verpackten Schlangen noch in eine Transportkiste verbracht. Auf Luftzirkulation und Wärmeisolierung ist bei längeren Transporten zu achten.
[Bearbeiten] Schlangen / Gesund und krank
Über Kondition und Ernährungszustand geben Verhalten und Aussehen Auskunft. Eine gesunde Schlange ist aufmerksam, bewegungsfreudig und züngelt. Die Rückenmuskulatur ist gut ausgebildet – der Körperquerschnitt darf nicht dreieckig sein.
Welche Anzeichen weisen auf eine Krankheit hin:
Verhalten
• unkoordinierte Bewegungen, verminderte Aufmerksamkeit, kein Züngeln
• verdrehte Körperhaltung
• aufgerichteter Vorderkörper, geräuschvolles Atmen bei geöffnetem Maul
Haut
• Verfärbungen
• Runzlige Schuppen
• Blutungen
• Schwellungen
• Zusammenhangstrennungen
• Häutungsreste
• Anzeichen von Austrocknung (stumpf und faltig)
• Abgespreizte Schuppen (Außenparasiten)
Maul
• Verletzungen
• Schwellungen
• Beläge
Nasenöffnungen
• Flüssigkeitsabsonderung
Augen
• Brillentrübung (Häutungsreste)
Wichtig:
• Bei Krankheitsanzeichen, v.a. Verhaltensänderungen zuerst prüfen, ob diese in Zusammenhang mit den Haltungsbedingungen stehen
• Ist das nicht der Fall oder kann man das nicht selbst beurteilen ist unbedingt ein auf Reptilien spezialisierter Tierarzt/ärztin zu konsultieren.
• Vernachlässigen der Tiere oder medizinische Eingriffe durch Nicht-Tierärzte sind Vergehen nach dem Tierschutz- und Tierärztegesetz!
